Teil 1: Kryptowährung - Zahlart der Zukunft?

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„Kryptowährung“ ist ein Begriff, der in der heutigen Zeit im eCommerce immer interessanter und wichtiger wird.

Jede Kryptowährung ist eine Art des Fiatgeldes, also Geld, welches nicht komplett oder gar nicht durch reale Vermögenswerte, wie Gold oder Silber gedeckt werden kann, sprich keinen inneren Wert hat.

Mittlerweile gibt es ca. 800 verschiedene Arten des digitalen Geldes: Von Dash und Ripple bis hin zu Bitcoin und Ethereum, um nur einige zu nennen. Und es werden immer wieder neue Kryptowährungen veröffentlicht, dieser Vorgang wird auch Initial Coin Offering (ICO) genannt.

Aber die wohl bedeutendste und bekannteste Währung ist Bitcoin.

Jeder Bitcoin Nutzer ist Teil der Bitcoin Bank

Die Idee für den Bitcoin entstand bereits 1998, jedoch gab es den ersten dokumentierten Machbarkeitsbeweis erst 2008 durch einen anonymen User, der unter dem Synonym Satoshi Nakamoto agierte.

Bitcoin ist eine digitale Währung, mit der hauptsächlich online gezahlt wird. Das Besondere am Bitcoin ist, dass er problemlos von Person zu Person, innerhalb von 10 Minuten, verschickt werden kann, ohne dabei den Weg über ein Kreditinstitut, bzw. eine Bank zu gehen. Es basiert auf einem Peer-to-Peer Netzwerk. Jeder Bitcoin Nutzer ist Teil der Bitcoin Bank.

Bitcoin wird von niemandem kontrolliert, auch der Gründer Nakamoto hat keinen Einfluss mehr auf die Währung.

Möglich wird dies dadurch, dass der Quellcode Open Source ist. Das heißt, jeder kann den Code einsehen und mit der entsprechenden Infrastruktur, Bitcoins „schürfen“. Diesen Vorgang nennt man „Mining“.

Vereinfacht gesagt, werden hier Rechnungen gelöst, dadurch entstehen Blocks, die strengen kryptografischen Regeln entsprechen. Je mehr Rechnungen gelöst werden, desto länger werden die Blockketten. Die Rechenaufgaben werden immer komplizierter. Für die Lösung dieser Rechnungen erhält man Bitcoins.

Alle Vorgänge werden in der sogenannten Blockchain gespeichert. Sie ist eine Datenbank, die eine immer länger werdende Liste der Transaktionsdaten und den Verbleib eines jeden Bitcoins speichert. So wird sichergestellt, dass ein Bitcoin nicht mehrmals ausgegeben wird, oder gefälscht ist. Der Algorithmus legt auch fest, dass es nicht mehr als 21 Millionen Bitcoins geben kann. Es ist praktisch ein globales Buchführungssystem, welches ebenfalls von jedem eingesehen werden kann.

Die Nachfrage bestimmt den Preis

Wichtig ist, dass das Vertrauen gestärkt wird. Bitcoins müssen investiert werden und es darf nicht auf steigende Kurse spekuliert werden, damit eine Deflation verhindert wird und die digitale Währung auch langfristig etabliert werden kann.

Welche Person von wo nach wo Bitcoins versendet, wird jedoch nicht aufgezeichnet.

Auch bei Bitcoin gilt die Regel: Die Nachfrage bestimmt den Preis. Da die Nachfrage in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist, liegt der aktuelle Wert eines Bitcoins bei ca. 3700 € (Stand 02. Oktober 2017).

Kleiner Funfact: Die erste Bitcoinzahlung erfolgte am 22. Mai 2010. Laszlo Hanyecz bot 10.000 Bitcoins für denjenigen, der ihm zwei Pizzen bestellte.

Diese zwei Pizzen kosteten Hanyecz damals ca. 19 Euro. Heute haben sie einen Wert von über 37 Millionen Euro.

Der Kurs schwankt jedoch sekündlich. Daher sprechen einige Sekptiker von einer „Blase“, die jederzeit platzen könnte. Bitcoin ist vorerst reine Spekulation und sollte nicht als sichere Geldanlage gesehen werden.

Auch Ethereum gewinnt immer mehr Aufmerksamkeit

So viel zu den Grundlagen, aber wie bekommt man eigentlich Bitcoins?

Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Man kann selbst Waren im Tausch von Bitcoins anbieten, alternativ sind sie in digitalen Wechselstuben zu kaufen, oder man erhält sie durch das zuvor erklärte Mining.

Hat man also nun einen Bitcoin, wird dieser in einer entsprechenden digitalen Geldbörse, in einer Wallet aufbewahrt. Die Wallet wird vom Besitzer selbst gewählt, dabei muss er sich nur im Klaren sein, für welche Zwecke er Bitcoin nutzen will. Beispielweise ob er seine Bitcoin-Wallet auf dem Smartphone für das alltägliche Leben benötigt, oder doch nur für online-Zahlungen am Computer.

Es ist möglich, sich seine eigene Wallet zu erstellen, vorhandene Wallets von entsprechenden Dienstleistern sind jedoch empfehlenswerter, da sie oftmals sicherer sind.

Neben dem Bitcoin gewinnt auch Ethereum immer mehr Aufmerksamkeit. Ende 2013 veröffentlichte Vitalik Buterin ein Skript zu seiner Idee.

Ethereum selbst ist eine Plattform, die zur Abwicklung von Smart Contracts, sprich die Abbildung von Verträgen, bzw. Überprüfung dient. Allerdings verfügt Ethereum über eine eigene Währung namens Ether. Der Etherkurs liegt momentan bei ca. 260 € (Stand 02. Oktober 2017).

Die dunkle Seite der Kryptowährungen

Kryptowährung ist vielen eher als Zahlungsmittel des Darknets bekannt und wird oft als „Währung der Internetkriminalität“ betitelt. Transaktionen benötigen keine Kontrolle einer Bank und es ist nicht möglich, eine Zahlung rückgängig zu machen. Skeptiker sehen darin eine Sicherheitslücke und vertrauen der Blockchain nicht.

SPD Bundestagsmitglied Dr. Jens Zimmermann zur Kryptowährungssicherheit: „Grundsätzlich können digitale Währungen eine gute Alternative zu den bestehenden Zahlungsmitteln sein. Momentan sind Kryptowährungen aber in erster Linie Spekulationsobjekte und keine Zahlungsmittel.

Nicht nur die starken Kursschwankungen sind ein Problem. Es gibt auch Schwierigkeiten mit Datenschutz, Geldwäsche und der steuerlichen Behandlung. Solange diese Probleme nicht behoben sind, werden Kryptowährungen nicht alltagstauglich sein und man sollte die Nutzung als Zahlungsmittel auch niemandem empfehlen.“

Dr. Konstatin von Notz, Mitglied der Grünen und des Bundestages, begründet den Erfolg von Blockchain-Technologien mit der immer lauter werdenden Rufe nach Authentizität und Wahrhaftigkeit, aufgrund digitaler Zunahme von Manipulation, Betrug und Propaganda: „Der Ansatz eines dezentralen Koordinierungssystems, das bei geringen Kosten Transaktionssicherheit mittels einer kryptografischen Verkettung verspricht, ist für unterschiedlichste Anwendungen attraktiv. Der Finanzdatenschutz ist in Zeiten von Big Data und Debatten um die Bargeldlosigkeit eine immer kritischere Frage - die allerdings durch Kryptowährungen nicht per se gelöst wird.

Denn zugleich lehrt uns nicht erst die letzte Währungs- und Finanzkrise, welch hoher und komplexer Regulierungsbedarf in global immer vernetzteren Währungssystemen besteht.“

Aber wie sieht es aus steuerrechtlicher Sicht aus? Wenn diese nicht gezahlt werden müssen, könnte dies ein Grund für den Erfolg sein. Auf diese Frage antwortet Dr. Zimmermann: „Grundsätzlich fallen Einnahmen und Gewinne aus dem Handel und dem Tausch mit Kryptowährungen unter die jeweils geltenden Steuergesetze in den einzelnen Ländern. Zumindest für Europa sollte das Ziel eine möglichst einheitliche Regulierung sein. 2015 hat sich der EuGH in einem Urteil bereits auseinandergesetzt mit der umsatzsteuerlichen Behandlung von Leistungen beim Umtausch von Bitcoin in staatliche Währungen und umgekehrt.“

Die Aussagen der beiden Abgeordneten zeigen, dass die Politik gegenüber Kryptowährungen noch skeptisch ist. Jedoch ist Dr. von Notz der Ansicht, dass Experimentierräume für innovative neue Verfahren, im Rahmen von Projekt- oder Testverfahren auch im öffentlichen Bereichen sinnvoll und möglich sind.

Damit knüpft er an die jüngsten Geschehnisse in Estland an. Dort wird gerade über eine eigene staatliche Kryptowährung nachgedacht, den Estcoin. Dieser soll den innovativen Staat mit der restlichen digitalen Welt verknüpfen.

Fazit

Abschließend lässt sich sagen, dass Kryptowährungen eine sehr interessante neue Zahlungsmethode darstellen, die besonders für den eCommerce von hohem Interesse sind.

Bitcoin ist ein gutes Beispiel dafür, dass der Handel mit solchen Währungen möglich ist und in Zeiten, in der das Thema „bargeldloses Bezahlen“ immer größer wird, auch eine interessante Alternative sein kann. Dadurch, dass die Anzahl der Bitcoins aber auf 21 Millionen beschränkt ist, könnte dies ein Problem darstellen. Sie werden immer begehrter und die Sorge vor einer Deflation wächst.

Im eCommerce gibt es bereits zunehmend Schnittstellen zu Online-Shops.

In unserem zweiten Teil berichtet Lucas Pulkert, Shopbetreiber von Jungfeld, über seine Erfahrungen mit Bitcoin.

Zum 2. Teil der Serie