Praxistipp: Schritt für Schritt zum Onlineshop-Konzept

Header_Konzept_Onlineshop_20185ad49bf79aa84

Der Umsatz durch eCommerce wächst seit Jahren, die Anzahl von Online-Käufern steigt kontinuierlich an. Entsprechend dieser Entwicklung entstehen jedes Jahr zahlreiche neue Onlineshops und viele Menschen und Händler wagen sich in das Medium Internet. Neben vielen Vorteilen, die ein Webshop mit sich bringt z. B. keine Kosten für Miete oder Ausstattung der Räumlichkeiten, bleibt die Frage offen, ob sich die Gründung eines Onlineshops lohnt. Immerhin wird der eCommerce-Markt von den Riesen wie Amazon oder Ebay dominiert. 

Mit der richtigen Vorbereitung und durchdachten strategischen Ausrichtung lohnt es sich allerdings immer noch, ins Online-Geschäft einzusteigen. Allerdings ist es entscheidend für die Zukunft Deines eCommerce-Projektes, dass Du schon vor dem Launch die richtigen Rahmenbedingungen für das Projekt schaffst. 

Wichtigste Schritte bei der Erstellung eines Onlineshop-Konzeptes:

  • Definiere ein Produktangebot, das sich für den Online-Verkauf eignet
  • Investiere ausreichend Zeit in die Analyse Deiner Zielgruppe, des Marktes und des potenziellen Wettbewerbs
  • Die Auswahl eines passenden Shopsystems ist essenziell – lasse Dir dafür genügend Zeit
  • Mache Dir frühzeitig Gedanken über die Kernfunktionen des Onlineshops z. B. Versand, Bezahlung, Navigation
  • Achte von Anfang an auf die rechtssichere Gestaltung Deines Webshops

Strategie für den zukünftigen Onlineshop definieren

Bevor man sich Gedanken über die – durchaus wichtigen – Aspekte eines eCommerce-Projektes wie z. B. Design, Usability und Marketing macht, sollte die Ausgangslage genau analysiert und Strategie für die anfängliche Planung eines Onlineshops definiert werden.  

Produktangebot im Konzept definieren

Perfekt für jeden Händler wäre es, den Kunden eine exklusive Produktpalette zur Verfügung zu stellen, die sonst nirgendwo zu kaufen ist. Diese Vorstellung ist jedoch heutzutage utopisch: Online findet man Angebote für jedes erdenkliche Produkt. Nichtsdestotrotz gilt es: Versuche Produkte zu finden bzw. zu definieren, die möglichst noch nicht so stark im Online-Handel vertreten sind oder – alternativ –  bei denen die Nachfrage extrem groß ist. Es ist daher im Vorfeld essentiell, sein Produktangebot zu definieren. Ohne eine bestimmte Vorstellung, was in dem Onlineshop verkauft werden soll, ist es nicht ratsam, diesen Schritt auf den eCommerce-Markt zu wagen.

Tipp: Analysiere möglichst unvoreingenommen dein bestehendes bzw. geplantes Produktangebot und stelle Dir folgende Fragen:

  • Kannst Du die Produkte schnell beschaffen? 
  • Eignen sich die Produkte für den Online-Handel bzw. den Versand? 
  • Lassen sich die Produkte vorteilhaft online präsentieren? 

Zielgruppe und zukünftige Kunden analysieren

Um eine erfolgreiche Zielgruppenanalyse durchzuführen, ist zuerst wichtig zu sehen, was genau unter dem Begriff Zielgruppe zu verstehen ist. Gemeint ist damit eine Gruppe von Menschen, denen bestimmte Merkmale zugeordnet werden können. Anhand dieser Merkmale ist davon auszugehen, dass sie sich für die Produkte im Shop interessieren. Als Beispiel dient hier ein fiktiver Onlineshop für Obstbäume und -sträucher; die Analyse könnte folgendermaßen aussehen:

Abbildung zur Zielgruppenanalyse

Anhand dieser Analyse ist außerdem nicht nur herauszufinden, ob ein Markt besteht und die potentiellen Kunden sich im Internet bewegen - Senioren kaufen beispielsweise nur selten online ein - sondern auch, wie der Shop am besten aufgebaut sein sollte. Jugendliche bevorzugen ein modernes Aussehen mit vielen Farben und einer unkomplizierten Sprache. Erwachsene möchten eher einen seriösen Shop aufsuchen, in dem sie sich rein vom Aufbau her gut beraten fühlen. Eine zu jugendliche Gestaltung sorgt eher für Vorsicht bei dieser Generation.

Markt- und Konkurrenzanalyse 

Um den bestehenden Markt besser einschätzen zu können und eigene unternehmerische Strategie zu planen, eignet sich am besten der betriebswirtschaftliche Klassiker: die Produkt-Markt-Matrix nach Ansoff. Das Modell betrachtet die möglichen Potenziale und Risiken Unternehmens in vier Produkt-Markt-Kombinationen: 

Marktanalyse-mit-Produkt-Markt-Matrix-nach-Ansoff

Die Marktanalyse kann grob in vier Segmente aufgeteilt werden: 

  • Marktdurchdringung: Das Ziel ist die Erschließung zusätzlicher Marktanteile im bestehenden Markt mit den vorhandenen Produkten.   
  • Marktentwicklung: Der Händler setzt sich zum Ziel, mit den Produkte aus dem bestehenden Sortiment einen für sich neuen Absatzmarkt erschließen z. B. neue Städte bzw. Länder oder Zielgruppen. 
  • Produktentwicklung: Ist eine gewisse Marktsättigung erreicht., rückt die Entwicklung neuer Produkte für den bereits bestehenden Markt in den Vordergrund. Die Strategie ist besonders für Nischenmärkte attraktiv.
  • Diversifikation: Diversifikation ist die risikoreichste von vier aufgelisteten Strategieetappen. Darunter versteht man die Entwicklung eines neuen Produktes für einen noch nicht erschlossenen Absatzmarkt. 

Es lohnt sich, ganz am Anfang eines eCommerce-Projektes alle aufgeführten Strategiephasen durchzudenken und grob zu planen. Abhängig von dem Produkt und dessen Lebenszyklus eignen sich unterschiedliche strategische Konzepte an. 

Abgrenzung zu bestehenden Shops

Egal, wie sehr sich ein Produkt in eine Nische einfassen lässt: Es gibt mit großer Wahrscheinlichkeit schon einen oder mehrere Shops genau zu diesem Thema. Es ist daher wichtig, sich von der Konkurrenz abzugrenzen. Hier wird im Endeffekt das gleiche Vorgehen genutzt wie auch bei anderen Geschäftsideen: Es muss ein Alleinstellungsmerkmal gefunden werden. Dies kann ein zügiger Versand sein z. B. das Versprechen, alle Bestellungen, die vor zwei Uhr eingehen, noch am selben Tag zu verschicken. Eine besonders gute Beratung ist ebenso ein Kundenmagnet wie ausgefallene seltene Produkte im Angebot. 

Tipp: Alleinstellungsmerkmale oder USP (Unique Selling Propositions) sind essentiell für die Abgrenzung zum bestehenden Wettbewerb. Sie müssen nicht nur im Vorfeld definiert werden, sondern auch konsequent und durchgehend nach außen kommuniziert werden. So hat der Shopware-Kunde Timingo die USPs direkt im Header eingearbeitet und blendet diese auf jeder Unterseite ein:

Unique-Selling-Propositions-im-Onlineshop

Tipp: Lasse Dir genug Zeit für die Recherche und Analyse des Marktes. Beschäftige Dich außerdem ausgiebig mit Deiner zukünftigen Konkurrenz und versuche dabei, folgende Fragen zu beantworten:

  • Welche Alleinstellungsmerkmale haben die Wettbewerber?
  • Welche Produkte haben sie in ihrer Produktpalette? Welche Produkte fehlen dem Wettbewerb? 
  • Wie sehen die konkurrierenden Onlineshops aus?

Antworten auf diese Fragen helfen Dir dabei, deine Alleinstellungsmerkmale auszuarbeiten und für sich zu nutzen. 

Aufstellung eines Businessplans

Ein detaillierter Businessplan ist wichtig, um schon im Vorfeld zu sehen, ob das eigene Kapital für die Gründung des Webshops ausreicht. Dabei muss nicht nur der Webspace und die Top-Level-Domain bezahlt, sondern auch ein Vorrat der angebotenen Produkte gekauft werden. Für diese fällt sehr wahrscheinlich die Miete eines Lagerraums an. Dazu müssen hochwertige Produktfotos und Beschreibungstexte erstellt werden. Wer dafür kein Talent hat und Menschen beauftragen muss, gibt erneut Geld aus. Das Marketing, um Kunden zu akquirieren, sorgt ebenfalls für eine Verkleinerung des Kapitals. Es ist daher von Bedeutung, hier nicht zu wenig für die einzelnen Aspekte zu veranschlagen - immerhin muss das finanzielle Polster nicht nur für die Gründung ausreichen, sondern auch die Zeit überdauern, bis das Marketing greift und die ersten Kunden etwas bestellen.

Technische Umsetzung im Konzept festhalten

Nachdem die strategischen Fragen geklärt sind, steht ein anderes zentrales Thema an – die Auswahl einer für das Geschäftsmodell geeigneten Shoplösung.

Auswahl eines geeigneten Shopsystems

Das richtige Shopsystem für das Vorhaben zu finden, ist mitunter gar nicht so einfach. Es gibt drei Varianten, wie ein Webshop im Internet realisiert werden kann:

Eine gemietete Plattform

Pro: 

  • dem Shopbetreiber wird alles Nötige gestellt: von Webspace über Domain bis hin zur ersten Einrichtung des Shops übernimmt normallerweise der Anbieter

Contra:

  • Mietkosten fallen an
  • Mietshops haben nur begrenzte Funktionalität z. B. begrenzte Produktanzahl oder Kategorie- und Filtermöglichkeiten

Selbst-gehostete Shoplösung 

Pro:

  • Mehr Spielraum in der Gestaltung und Funktionalität
  • Viele Open Source-Lösungen auf dem Markt vorhanden, die kostenlos auch kommerziell benutzt werden dürfen
  • Keine Begrenzung in der Produktanzahl

Contra:

  • Man muss sich selbst um die technische Einrichtung des Webshops kümmern – oder man beauftragt dafür eine Agentur

Selbst-programmierter Shop

 Pro:

  • Absolut keine Grenzen in Bezug auf Design, Funktionalität, Produktanzahl etc.
  • Keine Miet- bzw. Lizenzkosten

Contra:

  • Ohne fortgeschrittenen Programmierkenntnisse ist ein individuell programmierter Onlineshop nicht zu realisieren
  • Auch wenn Lizenzkosten entfallen: Der vorherige Punkt kann sehr teuer werden und muss im Voraus genau überlegt sein

Egal, für welche Shoplösung Du Dich entscheidest: Diese Entscheidung muss gut überlegt und begründet sein. Im Nachhinein ist es äußerst aufwendig und meistens teuer, einen Onlineshop auf ein neues Shopsystem umzuziehen. Alle wichtigsten Informationen zur Shopware-Migration haben wir in unserem kostenlosen Whitepaper zusammengefasst. 

Planung der Shopstruktur

Wenn die Software ausgewählt wurde, gilt es, die Struktur zu entwerfen. Am besten funktioniert dies analog auf einem Blatt Papier. Für den ersten Entwurf helfen Dir folgenden Fragen:

  • Was soll der Kunde beim Betreten der Seite sehen? 
  • Wo ist das Menü und wie ist es aufgebaut? 
  • In welche und wie viele Kategorien lässt sich Deine Produktpalette aufteilen? 

Es gilt, ein wenig mit den Darstellungen zu spielen. Die Kategorien im Menü können entweder an der Seite aufgelistet sein oder als Drop-Down-Menü waagerecht unter dem Logo des Shops verlaufen. Erst, wenn die Struktur einigermaßen vorhanden ist, ist es sinnvoll, das Design des Shops dem anzupassen.

Tipp: Achte darauf, dass die Struktur Deines Onlineshops nicht zu „verschachtelt“ wird. Auffindbare Produkte und verständliche Kategorienstruktur helfen sowohl den Kunden als auch den Suchmaschinen sich schnell in Deinem Webshop zurechtzufinden. 

Programmiergrundlagen aneignen 

Wer tiefer in die Materie einsteigt und sich nicht nur auf die Baukasten-Shops verlassen möchte, sollte sich Programmiergrundlagen aneignen. Allen voran heißt dies, dass Begriffe wie HTML, CSS und PHP keine Fremdworte mehr sind. Es ist nicht wichtig, dass ein Shop komplett selbst programmiert werden kann. Damit allerdings nicht der Shop aus Versehen offline genommen wird oder Darstellungsfehler auftreten, ist es sinnvoll, dies offline auf einem virtuellen Server zu testen; der Apache Webserver bietet hierfür eine gute Möglichkeit und ist auch für Einsteiger gut zu handhaben. 

Versand- und Bezahloptionen durchdenken

Versand- und Bezahloptionen gehören zu den wichtigsten Kriterien, die für oder gegen einen Kauf im Onlineshop sprechen können. Daher ist es wichtig, schon vorher über die Auswahl und die Anbindung der gewünschten Zahl- und Versandanbieter nachzudenken. Verschiedene Zahlungsarten gehören zu Onlineshops dazu. Einige Kunden bezahlen gerne auf Rechnung, andere nur mittels PayPal und wieder andere anhand der Lastschrift. Dasselbe gilt auch für Versandoptionen: zügige Zustellung und zuverlässiger Logistikpartner sind besonders wichtig. Die Option eines Express-Versandes ist ein zusätzlicher Pluspunkt. Der Onlineshop von ZooRoyal auf Basis von Shopware macht es richtig und bietet fast alle erdenklichen Optionen an: 

Bezahl-und-Versandoptionen-in-Onlineshops

Tipp: Je mehr Möglichkeiten Du anbieten kannst, desto mehr Kunden kannst Du theoretisch bedienen. Eine gewisse Anpassbarkeit des Shopsystems ist daher hilfreich, um auch im Nachhinein noch neue Zahlungs- oder Versandart einfügen zu können.

Wichtig bei der Konzepterstellung: Rechtslage beachten

Es gibt sehr viele juristische Feinheiten und Stolperfallen im Onlinehandel. Diese muss jeder Onlinehändler genau wissen und die Gesetzesänderungen im Blickbehalten. Am besten ist es, wenn sich vor der Gründung ein im Internetrecht erfahrener Anwalt genommen wird, der die rechtliche Seite abklärt und dafür sorgt, dass alles in geregelten Bahnen verläuft. 

Tipp: Wenn Du nicht weißt womit Du anfangen muss, haben wir für Dich eine Übersicht über die wichtigsten rechtlichen Themen im Online-Handel zusammengestellt und ein paar Tipps gegeben. 

Bei der Konzepterstellung auch die Risiken beachten

Bei allen Vorbereitungen und anfänglichen Überlegungen solltest Du auch die Nachteile bzw. die Risiken eines eCommerce-Projektes in Betracht ziehen. Ein Onlineshop nebenbei zu betrieben ist extrem schwer. Sollte es durch die finanzielle Absicherung nicht möglich sein, seinen alten Job zu kündigen, so ist zumindest in der ersten Zeit sicherzustellen, dass dem Shop-Projekt abends noch genug Zeit gewidmet wird und eingegangene Bestellungen schnellstmöglich bearbeitet werden. Auch folgende Themen machen das Leben eines jeden Online-Händler nicht leichter:

  • Google-Updates machen eine gute Suchmaschinenplatzierung für neue Shops schwer und zeitaufwendig
  • Zeit und Kosten für den Betrieb können schnell die ursprünglich geplanten schnell überschreiten
  • Es gibt zu beinahe jedem Nischenprodukt einen Shop
  • Das geltende Recht wird durch neue Urteile ständig verändert

Tipp: Um die wichtigsten Veränderungen nicht zu verpassen, abonniere ein paar branchenspezifische Newsletter oder lese regelmäßig in unserem Blog. Da informieren wir über alle News, die für Onlineshop-Betreiber relevant sind.  

Fazit: Ein erfolgreiches Konzept für einen Onlineshop benötigt Zeit

Eine Shop-Software auswählen, auf dem virtuellen Speicherplatz installieren und Produkte in diesen einstellen - generell ist ein Shop im Internet schnell erstellt. Allerdings bedeutet dies nicht, dass sich der Erfolg ebenso schnell einstellt. Wer sich aber über die Arbeit, die ein Onlineshop macht, im Klaren ist und zudem genug finanzielle Rücklagen hat, um die Zeit bis zum ersten Umsatz zu überstehen, kann die Eröffnung in Erwägung ziehen.