Grundlagen der Conversion Optimierung für Onlineshops

David_Odenthal

Über die Kunst, die Conversions im Onlineshop zu steigern

Im Handel liegt der Segen – so heißt doch die alte Kaufmannsweisheit. Den meisten Shops ist diese Tatsache durchaus bewusst. Gerade in der Offline Welt passt dieser Spruch wie die Faust aufs Auge! Doch im Online Wesen ist der Erfolg im „Handel“ – und das wissen wir – nicht so einfach.

Denn der Erfolg hochperfomanter, erfolgreicher Onlineshops ist kein Zufall. Wer es ihnen gleichtun will, der muss zunächst mal definieren, was „Erfolg“ ist – und zwar für jeden einzelnen Business Case. Denn jeder Shop ist unterschiedlich performant und hat differenzierte Ziele, wenn nicht sogar – und wer hätte es gedacht – verschiedenste Produkte! Diese Ziele für den „Segen“ müssen vorab genau festgelegt werden.

Ob Affiliate-Programme, Advertising bei Google Shopping, Multichannel-Strategien wie idealo, real, oder ebay bieten Optionen und Chancen. Jede dieser „Lösungen“ kann dazu beitragen, den Umsatz zu erhöhen. Die Profis sprechen hier auch von „performen“. Doch nur wenige Unternehmen wissen, wie das Ganze richtig geht. 

Hürden jenseits der Conversion Optimierung

Ein Shop legt den Fokus auf den Verkauf von physischen Produkten. Der Start bzw. Launch ist erfolgreich durchgeführt worden. Was nun? Läuft der Shop von alleine weiter und bringt er den erhofften Umsatz? Ist das Ziel also erreicht? Meiner Erfahrung nach denken jedenfalls 80 Prozent der Unternehmen genau das.

Leider entspricht dies nicht der Wahrheit. Ein typisches Schicksal eines Onlineshops schaut ganz anders aus. Oft hört man von den  eCommerce Managern solche oder ähnliche Beschwerden:

„Wir hatten eine Kreativagentur mit der Umsetzung des Onlineshops  betraut, die einige gute Referenzen vorweisen konnte. Tatsächlich einigten wir uns auf eine Gestaltung, die uns zeitgemäß und gut durchdacht schien. Struktur und Umsetzung des Onlineshops  ergeben sich aus dem Sortiment. Vor dem Go-Live beauftragten wir eine Online-Agentur, die die wichtigsten Keywords in den Suchmaschinen bewerben sollte. Mit Erfolg: Nach einer gewissen Zeit konnten wir immer mehr Besucher auf unserer Website begrüßen. Doch die Umsätze stiegen nicht in dem Maße, wie wir uns das wünschten. Selbst Top 5 Positionen in den wichtigsten Suchmaschinen führten nicht zu einer spürbaren Steigerung der Umsätze für die entsprechenden Produkte.“

Daten für Conversion Optimierung sammeln und analysieren 

Damit ein Shop wirklich erfolgreich wird oder in einigen Fällen auch “nur” an gesteckte Ziele anknüpfen kann, müssen verschiedene Schritte aus dem Conversion Prozess durchlaufen werden. Erst die Messung verschiedenster Kennzahlen und KPI’s mit den bekannten Analysetools in Kombination mit den shopinternen KPI’s zeigen in zwei gleichgroßen Zeiträumen die Veränderungen des Shops im Verhältnis zur Ausgangslage.

Bei Conversion Optimierung werden klassisch folgende Schlüsselkennzahlen erhoben:

• Anzahl der Besucher

• Absprungrate

• Verweildauer

• Anzahl der Seiten/Besuch

• Anzahl der Bestellungen

• Retourenquote

Dies sind die grundlegenden Kennzahlen, die bei Conversion Optimierung kontinuierlich erhoben werden müssen. Die KPIs kannst Du mit unterschiedlichen Tools erheben z. B. Google Analytics oder Piwik. Shopware bietet eigenen Kunden bereits im Standard eine übersichtliche KPI-Auswertung. Wichtig ist, die Zahlen nicht nur zu erheben sondern auch zu hinterfragen: Messe ich richtige Kennzahlen? Sind die Kennzahlen wichtig für meine Zielsetzung? Sind die Datensprünge auf die Marketing- bzw. Conversion-Maßnahmen zurückzuführen oder sind andere Gründe dafür verantwortlich? Erst wenn man die erhobenen Daten genau unter die Lupe genommen hat, kann man eine Grundlage für eine erfolgreiche Conversion Optimierung schaffen.

User Experience für Conversions entscheidend

Durch die Sichtung der Daten aus den Analysetools kommen neue Fragen auf, die wiederum zur Formulierung von konkreten Maßnahmen führen. Doch hier ist Vorsicht geboten: Bei der Sichtung der Daten wird oftmals nur der reine Datenbezug herangezogen. Viel wichtiger ist allerdings der Bezug von Daten in Kombination mit dem Benutzerverhalten vor dem Monitor. Denn der User des Onlineshops ist ein Mensch, kein Computer und er möchte als solcher behandelt, etwa emotional berührt werden. Dann erst kauft er.

Stellen wir deshalb den Bezug zur Offline-Welt her, also zum Beispiel zu einem Ladenlokal: Hier stellen wir fest, dass viele Sinne zur Generierung eines Kaufs angesprochen werden, etwa die visuelle Wahrnehmung mit den Augen, die auditive Wahrnehmung mit den Ohren, die olfaktorische Wahrnehmung mit der Nase, die gustatorische Wahrnehmung mit der Zunge und die taktile Wahrnehmung mit der Haut. Im Netz ist die Ansprache dieser Sinne nur eingeschränkt möglich. Doch auch hier kann man geschickt mit audiovisuellen, inhaltlichen und optischen Elementen arbeiten und so die Wahrscheinlichkeit zur Kaufentscheidung des Nutzers deutlich erhöhen. Im Fachjargon des Online Marketings könnte man hier auch von Content Marketing sprechen.

Auch hier ist aber wieder Vorsicht geboten: Der Einsatz von Störern innerhalb einer Story oder auf einer Landingpage sollte nicht übertrieben werden, ebenso wenig wie mit wilden Farbüberlagerungen gearbeitet werden sollte. Für den Benutzer und potenziellen Kunden vor dem Monitor geht es nur um das Wesentliche der Wahrnehmung und genau dieses soll mit den richtig dosierten Reizen angesprochen werden. 

Folgende Basics haben sich als Hebel für erfolgreiche Conversion Optimierung erwiesen:

Reduziertes Design konvertiert besser

Damit die Nutzer schon auf den ersten Blick dazu animiert werden, das entsprechende Produkt oder die Vorteile des Produkts zu sehen, sollten alle im ersten Schritt nicht benötigten Elemente oder Farben entfernt werden.

Die richtige Wortwahl (im Content Marketing & auf Landingpages)

Wörter wie „müssen“, „sollen“ oder „aber“ wirken auf den Leser abstoßend, da diese eine negative Wirkung haben. Besser ist es auch, aus einem „Problem“ eine „Lösung“ zu machen.

Preise & Rabatte steigern die Conversion-Rate

Ob auf der Startseite, der Kategorieseite, der Artikeldetailseite, der geplanten Landingpage für ein Produkt oder einem Bundle, es gilt immer den Bezug zum Produkt und dem Preis herzustellen. Die Kommunikation von Vergünstigungen (anstatt für 19,99 € für nur 9,99 €) sind hier deutlich zu präsentieren. Oftmals werden viele Produkte darüber hinaus in der Kategorieübersicht rabattiert dargestellt, was allerdings schnell zu einer Reizüberflutung führen kann.

Vertrauen verschafft mehr Conversions

Eine einfache, aber sehr effektive Maßnahme zur Steigerung der Conversions, ist eine konstante Präsentation von Trust Badges, die Vertrauen durch Kundenstimmen bis in den Checkout Prozess suggerieren. Auch klassische „Garantien“, wie zum Beispiel die 30 Tage Geld zurück Garantie, helfen bei der Steigerung der Conversions.

Hinweis auf Datenschutz hilft bei der Conversion Optimierung

Befindet sich kurz vor dem Bestellen-Button ein Vertrauenselement wie „Ihre Daten werden nicht an Dritte weitergegeben!“ – im besten Fall noch unterstützt durch ein kleines Icon – erhöht dies ebenfalls das Vertrauen und steigert die Conversions merklich.

Conversion-Optimierung-Maßnahmen kontrollieren

Um den Erfolg der durchgeführten Maßnahmen messen zu können, sollte im nächsten Schritt auf die Kontrolle der Maßnahmen gesetzt werden. Analysiere in regelmäßigen Zeitabständen Die festgelegten KPIs und stelle Dir folgende Fragen:

  • Haben die durchgeführten Aktivitäten ihren Zweck erfüllt?
  • Gab es Maßnahmen, die besonders gut funktioniert haben?
  • Welche Maßnahmen haben viel Budget und Zeit beansprucht?
  • Gab es einen ROI (Return on Invest) und wie hoch ist dieser ausgefallen?

Diese und weitere Fragen erleichtern es, den gesamten Prozess dann erneut und optimiert anzustoßen und so den Erfolg Deines Onlineshops in einem Kreislauf kontinuierlich zu steigern.

Eine adäquate und leichte Möglichkeit, um hier Vergleiche zwischen vorher und nachher anstellen zu können, sind so genannte A/B-Tests. Diese erlauben es, verschiedene Varianten auf den Zielseiten auszutesten z. B. unterschiedliche Banner, Farbkombinationen oder Texte. A/B-Tests erfreuen sich unter Online Marketing Spezialisten großer Beliebtheit. Sie helfen dabei objektiv und zahlenbasiert Veränderungen auf einer Webseite zu messen und zu evaluieren. So konnte der eine oder andere bereits feststellen, dass Webseitenbesucher bei weitem nicht immer so ticken, wie er es sich selbst vorstellt. A/B-Tests lassen sich heutzutage sehr leicht implementieren z. B. mit dem kostenlosen Tool von Google Optimize.

Das Wissen über Conversion Optimierung aneignen

Um sich dieses Wissen anzueignen und auch Tipps großer und bekannter Marken im eCommerce zu sehen, gibt es im deutschsprachigen Raum tatsächlich nur wenige Konferenzen. Am 19. April versammelt die Conversion Roadshow Marketer und Werbetreibende aus allen Branchen unter dem Dach des Rheinenergiestadions in Köln. Das Event wartet mit einem Top LineUp an Speakern und Brands (unter anderem Nils Kattau, Katharina Neuendorf und Sina Breker von Royal Canin, Ben Harmanus von konversionskraft uvm.) auf, von deren Erfahrungen und Methoden die Teilnehmer sich einen ganzen Tag lang inspirieren lassen können. 

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Fazit

Conversion ist immer noch ein Prozess und lässt sich in verschiedene Bereiche unterteilen. Dabei können viele kleine Details einen Conversion-Bruch herbeiführen. Meist liegt dieser allerdings schlichtweg an der fehlenden Fixierung des Ziels und der dadurch fehlenden Perspektive für Optimierungsmaßnahmen. Denn das Ziel lautet im Falle eines Shops immer: „... Kunden vollendete Produkte zu verkaufen!“.

 

Über den Autor

David Odenthal ist seit mehr als 10 Jahren unternehmerisch unterwegs. Dies als Conversion Berater, Referent zum Thema Conversion und Initiator des Mousetrackings overheat. Im Jahr 2017 etablierte er die Conversion Roadshow in Köln. 2018 steht nun die Tageskonferenz im Rhein Energiestadion an, auf dem er sein Wunsch erfüllen möchte: „Make Conversion great again!“

Wenn er gerade nicht beruflich unterwegs ist, ist er Vater von zwei Kindern und liebt das bergische Land. Zu seinen Hobbys zählen das Mountainbiking, Reisen und Kochen.