Ben Hammersley: Futurist und Autor im Interview

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Ben Hammersley ist Vordenker zu Internettechnologien und digitaler Zukunft. Er ist Autor, Berater und Technik-Experte und beschäftigt sich mit den Auswirkungen des Internets und digitaler Netzwerke auf Unternehmen, Politik und Gesellschaft. Im Rahmen des Shopware Community Days beantwortete er uns einige spannende Fragen. 

Herr Hammersley, Sie sind Autor, Journalist, Rundfunksprecher, Referent und Berater. Ihre Mission ist es, die Gegenwart zu erklären und Herausforderungen für die Gesellschaft von morgen zu skizzieren. Haben Sie sich die Welt, wie Sie heute ist, vor 20 Jahren so vorgestellt?

In gewisser Weise, ja. Die Rolle eines Futuristen besteht nicht darin die Zukunft vorauszusagen, sondern die Bahnen aufzuzeigen, in denen sich soziale Systeme befinden. Also zum Beispiel die Evolution der Medien & der Content-Industrien, asymmetrischen Kriegsführung & Außenpolitik und die Veränderung des Arbeitsplatzes. 

Man könnte also sagen, dass ich mit meiner Vermutung richtig lag, oder mich auf eine praktische und interessante Art geirrt habe.

Ob ich vorausgesehen habe, dass Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten wird und das Vereinigte Königreich die Europäische Union verlässt? – Nein, das konnte ich mir nicht vorstellen. Aber das hat auch niemand anders kommen sehen.    

Digitaler Wandel in der Arbeitswelt

Insbesondere die Arbeitswelt wird vom digitalen Wandel radikal verändert. Auf welche Entwicklungen müssen sich Arbeitnehmer in der Zukunft einstellen?

Die wichtigsten Veränderungen sind durch Entwicklungen der Geschäftsmodelle entstanden, was bedeutet, dass Berufe oder Aufgaben, die einst lokal durchgeführt werden mussten, nun entweder irgendwo anders oder von etwas ganz anderem erledigt werden können. Das beinhaltet künstliche Intelligenz, ist aber nicht darauf beschränkt. 

Letztlich gibt es keinen wirklichen Unterschied zwischen Ihnen und mir, falls unsere Jobs von A.I. übernommen werden, oder sie einem realen Menschen anderswo übertragen werden. 

Die größte Herausforderung besteht darin, den Wandel an sich zu bewältigen, der in einem Tempo und Rahmen vorangeht, wie nie zuvor.

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Ben Hammersly auf dem SCD 2018

Vor welchen Herausforderungen stehen Unternehmen dabei?

Die meisten Unternehmen hängen der modernen Entwicklung ca. acht Jahr hinterher.

Also besteht die größte Herausforderung darin, zu realisieren, dass sie tatsächlich im Jahr 2018 sind.

Welche weiteren Bereiche des täglichen Lebens werden Ihrer Meinung nach besonders von der Digitalisierung erfasst?

Alle, wenn man es möchte.

Fortschreitenden Digitalisierung in der eCommerce-Branche

Wie sieht Ihrer Meinung nach das Einkaufen in 20 Jahren aus?

Genauso, wie bereits heute, nur mit mehr elektronischen Zahlungsarten. Wir werden immer noch durch die Läden und über den Markt gehen, um Kleidung und Gemüse zu kaufen. Das einzige, was sich ändern wird, ist, dass wir mit etwas Interessanterem als materiellem Geld bezahlen werden.

Geschäfte, Märkte und so weiter, sind Technologien, die über Jahrtausende verfeinert wurden. Sie sind schwer kleinzukriegen und werden definitiv nicht wegen einer Trenderscheinung, wie Virtual Reality, aussterben. 

Wir beobachten derzeit den Trend zunehmender Isolation von Staaten. Nehmen wir als Beispiel die USA oder den Brexit. Ist dies vielleicht eine panische Gegenreaktion auf die zunehmende digitale Vernetzung?

Teilweise, ja. Mit Sicherheit ist dies auf den grundlegenden Wandel in der Weltwirtschaft zurückzuführen, der durch das Internet ausgelöst wurde. Digitale Netzwerke etwa sind ein offensichtliches und beeindruckendes Beispiel dafür. Doch leider werden Panikreaktionen oft auch erst durch solche Netzwerke ermöglicht. Genau das, was die moderne Welt ausmacht, was rassistischen Idioten so viel Angst macht, erlaubt diesen rassistischen Idioten als rassistische Idioten zusammen zu handeln. Zum Glück erlauben uns die Netzwerke auch wiederum, rassistische Idioten zu identifizieren, womit dies noch nicht das Ende der Geschichte bedeutet.

Sie beraten das britische Außenministerium und die Europäische Kommission in Sachen digitaler Entwicklung. Aber ist der Staat überhaupt noch in der Lage, die Geschehnisse im Internet zu kontrollieren und zu regulieren? Und inwieweit sollte er dies überhaupt tun?

Das Vereinigte Königreich wird es nach dem Brexit nicht mehr sein, nein. Aber die Europäische Kommission kann es sicherlich: Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ist ein Exempel dafür, dass es bereits geschieht. Staaten sollten auch dazu in der Lage sein, die Geschehnisse zu kontrollieren, sofern es das ist, was die Bürger wollen.

 

Neben seinem Interview gewährte Ben Hammersley auch in seinem Vortrag auf dem Shopware Community Day spannende Einblicke in zukünftige Trends und Entwicklungen: 

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