3D-Modelle: Ein Exkurs in die Photogrammetrie

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Auf dem diesjährigen Shopware Community Day hat Shopware-Vorstand Stefan Hamann in seiner Keynote das neue Plugin „3D Produkt Viewer“ vorgestellt, mit dem Du 3D-Modelle in Deinen Onlineshop hochladen kannst. Das Plugin steht Dir kostenfrei auf GitHub bereit.

Wieso 3D-Modelle keine Zukunftsmusik mehr sind, für wen sie sich lohnen und wie Du auch mit kleinem Budget hochwertigen 3D-Content erstellst, erklären wir Dir heute in unserem Blog.

Die wichtigste Frage vorweg: Was bringt Dir 3D-Content?

Korrekterweise sollte die Frage wohl eher lauten, was bringt Deinen Kunden 3D-Content? Denn wie immer sollte der Köder dem Fisch und nicht dem Angler schmecken. Bevor Deine Kunden ein Produkt bestellen, möchten sie natürlich so viele Infos wie möglich erhalten. Wer die Wahl zwischen langen Produktbeschreibungstexten und hochwertigen Fotos hat, wird wohl immer die Fotos bevorzugen, denn der Content ist einfacher konsumierbar – ob beim schnellen Shoppen in der Mittagspause, am Bahnhof oder abends auf dem Sofa.

Mit aussagekräftigen 3D-Modellen, die die Strukturen, Oberflächen, Formen und Verarbeitungen besonders ablichten, ist das Produkt für Deine Kunden noch greifbarer. Halten wir also fest:

  • Du stärkst die Customer-Experience
  • Du schaffst USPs gegenüber Deinen Mitbewerbern
  • Du stärkst Deine Marke
  • Du verbesserst die Conversion-Rate
  • Du verringerst die Retourenquote

Für welche Branchen eignen sich 3D-Modelle?

Unabhängig davon, ob Du im B2C- oder im B2B-Sektor unterwegs bist, kannst Du mit hochwertigen 3D-Modellen Deine Produkte in Szene setzen. Insbesondere wenn Du in Branchen wie Fashion, Lifestyle oder Food unterwegs bist, spielen ansprechende Fotos ebenso wie Detailaufnahmen eine wichtige Rolle.

Für welche Produkte lohnt es sich, 3D-Modelle zu erstellen?

Um es vorweg zu nehmen: Die Erstellung von 3D-Modellen ist natürlich mit deutlich mehr Aufwand verbunden, als die Erstellung von attraktiven Produktfotos. Dennoch macht es Sinn, bei besonders erklärungsbedürftigen Produkten diese Zeit zu investieren. Ebenso kannst Du Produkte wählen, die stellvertretend für eine ganze Produktreihe in Deinem Shop stehen sollen, und beispielsweise eine hochwertige Verarbeitung oder die Wahl der Materialien besonders hervorheben.

Welche Produkte eigenen sich zur Content-Erstellung?

Alles was Struktur und verschiedene Oberflächen hat, ist perfekt. Glatte oder spiegelnde Artikel, ebenso wie Artikel aus Glas oder mit wiederholenden Mustern eignen sich hingegen nicht für die später zum Einsatz kommende Software, da die Markierungspunkte nicht eindeutig aus verschiedenen Winkeln zu erkennen sind. Ebenso sollten Deine Produkte statisch sein. Auf folgendem Bild erhältst Du Inspirationen, welche Produkte sich sehr gut eignen:

geeigneteProdukte

3D-Modelle auf Basis von „Photogrammetrie“ erstellen

Die Photogrammetrie ist eine Technik, mit der Du 3D-Content erstellen kannst. Dieses Verfahren wird auch bei Filmen, in Computerspielen oder im 3D-Druck eingesetzt. Der Vorteil dieser Technik ist, dass sie im Vergleich zu anderen Methoden wie beispielsweise einem 3D-Handscanner sehr günstig ist.

How-To:

1.       Schritt:

Folgendes Equipment benötigst Du dafür:

  • Ein Drehhocker
  • Eine Spiegelreflex-Kamera
  • Ein Set mit diffusem Licht

Erstelle viele Fotos aus verschiedenen Winkeln von Deinem Produkt. Von oben, mittig, von unten und schräg von der Seite. Es wird empfohlen mind. 50 Fotos zu machen.

Dos:

Verwende indirektes Licht. Entweder Du schaffst Dir ein entsprechendes Set oder Du gehst mit Deinem Artikel nach draußen ins Licht. Aber achte darauf, dass es bewölkt ist, denn diffuses Licht ermöglicht Dir eine gleichmäßige Ausleuchtung.

Don’ts:

Vermeide direkte Sonneneinstrahlung oder direkte Lichtquellen, um keinen Schattenwurf bei Deinen Artikeln zu haben.

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Beispiel eines SetUps.

2.       Schritt:

Bearbeite jetzt die Fotos z.B. mit Photoshop ggf. noch nach, wenn Du beispielsweise die Helligkeit noch anpassen musst oder Hintergrundobjekte zu entfernen sind. Lade dann alle Fotos in eine Photogrammetrie-Software hoch. Tipp: Die Software „Autodesk Recap360“ ist kostenlos. So kannst Du erstmal Erfahrungen sammeln und ggf. später noch auf eine andere, kostenpflichtige Software (z.B.: Agisoft) switchen. Die Software analysiert nun Deine Fotos, speichert markante Punkte und stellt Zusammenhänge zwischen den Fotos her. Hieraus entsteht eine Punktewolke, die wiederum die Basis für die Umwandlung in ein 3D-Objekt bildet. Punktewolke

Beispiel einer Punktewolke zur 3D-Modell-Erstellung. 

3.       Schritt:

Im letzten Schritt wird diese Punktewolke feinjustiert, indem die Software weitere Gemeinsamkeiten in den Fotos sucht. Aus Basis verschiedener Algorithmen erstellt die Software im Anschluss daran das 3D-Model, ein s.g. Mash. 

Fast fertig! Dein 3D-Model ist erstellt. Doch wie gelangt es jetzt in Deinen Shopware-Shop?

In unserem DevBlog hat Stephan Pohl, Developer Core von Shopware, ein praktisches und ausführliches How To erstellt, wie Du mit dem neuen Plugin „3D Produkt Viewer“ arbeitest und Deine 3D-Modelle in Deinen Shop migrierst.

Zum HowTo

Beeinträchtigt das Plugin die Shop-Performance?

Nein, der initiale Aufbau der Shopseite inklusive des Stylings und der Bilder wird nicht vom Plugin beeinflusst. Nachdem die Seite komplett geladen ist, springt der Asset Manager des 3D Product Viewers an und lädt die Daten nach, sodass es zu keiner Perfomance-Beeinträchtigung kommt.

Wie viel Zeit muss ich in etwa einplanen, ein 3D-Bild zu erstellen?

Je nach Objektgröße dauert das Erstellen der Fotos aus den verschiedenen Winkeln ca. eine halbe Stunde. Für die Nachbearbeitung und das Erstelllen des fertigen Mash kannst Du noch mal ca. die gleiche Zeit einplanen, sodass Du am Ende etwa eine Stunde für ein wirklich gutes 3D-Modell benötigst.

Wie hoch ist der finanzielle Aufwand?

Wenn Du schon das Fotoequipment besitzt, musst Du lediglich Lizenzkosten für die Photogrammetrie-Software einplanen, solltest Du Dich für eine kostenpflichtige Software entscheiden.

Solltest Du jetzt nur noch 3D-Modelle Deiner Produkte erstellen?

Nein, unsere Empfehlung ist es, dass Du 3D-Modelle mit anderen hochwertigen Produktfotos kombinierst. Denn natürlich wollen Deine Besucher zum einen Deine Produkte in all ihren Details und Facetten betrachten können, genauso aber im Praxiseinsatz sehen und inspiriert werden. Wie schon bereits erläutert, wäre natürlich auch der Aufwand viel zu hoch. Der Einsatz von Videos oder emotionalen Produktfotos sollte also nach wie vor im Vordergrund stehen.

Fazit

Wahrscheinlich bist Du überrascht, mit welch wenigen Mitteln es möglich ist, guten 3D-Content zu generieren. Denn wenn Du bereits professionelle Artikelfotos erstellst, hast Du das Equipment für die Modelle wahrscheinlich bereits an Bord und musst lediglich eventuell anfallende Lizenzkosten zahlen. Unser Tipp: Probiere es aus! Nimm Dir zunächst einfache Produkte wie ein Stein oder eine Statur, bevor Du Dich professionalisierst und erste 3D-Modelle für Deinen Onlineshop erstellst. Wie immer lohnt es sich, stets wachsam für neue Trends und Entwicklungen zu sein, denn nur so schaffst Du es, Deine Besucher dauerhaft zu begeistern. Wir sind gespannt auf Deine Erfahrungen!

Zum 3D Produkt Viewer auf GitHub