Into the Great Wide Open - Open Source Strategie von Shopware

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Mit der Version 5.2 geht Shopware einen weiteren großen Schritt in der Geschichte seiner Open Source Strategie und stellt die ionCube-Verschlüsselung des Shopsystems und der eigenen Plugins endgültig ein. Das ist eine konsequente Entscheidung, von der insbesondere die Community profitieren wird.

 

Der Beginn einer Vision

Ein Produkt kostenlos und quelloffen seinen Kunden anzubieten widerspricht theoretisch jedem gesunden Unternehmertum. Doch vor sechs Jahren haben wir uns genau dazu entschieden. „Wir waren überzeugt, dass eine quelloffene Version das Wachstum des Unternehmens und der Software enorm beschleunigen könnte, denn zum einen gibt es viele Kunden, die ausschließlich lizenzkostenfreie eCommerce-Produkte einsetzen möchten während zum anderen die Hoffnung bestand, eine schnell wachsende Community in die Entwicklung der Software mit einzubeziehen“, erinnert sich Shopware-Vorstand Stefan Hamann.

Am 19. Oktober 2010 lüftete sich schließlich ein grüner Vorhang auf der Shopware-Website und läutete eine neue Ära ein. Die quelloffene Shopware Community Edition stand zum Download bereit.

Die Community Edition wurde für Einsteiger mit wenig Budget und Mittelständler mit technischem Background geschaffen, denn sie berechtigt nicht zum Support durch uns wie etwa bei unserer Professional oder Enterprise Edition. Sie fordert die Mitglieder vielmehr auf, sich bei Problemen an andere Mitglieder aus der Community im lebendigen Forum zu wenden. Zusätzlich richtet sich die Community Edition an die Entwicklergemeinde, die sich aktiv an der Weiterentwicklung von Shopware beteiligt. Das funktioniert überaus erfolgreich, denn so können wir sehr kurzfristig neue Ideen und Bugmeldungen umsetzen, die uns etwa über Github oder unseren Issue Tracker erreichen und der Community bereitstellen. Gleiches gilt für die Plugins, die nun zum Großteil aus der Community selbst kommen und über den Plugin-Store einer größeren Abnehmerschaft zur Verfügung gestellt werden. Die Installationszahlen und das Wachstum der Community sind in kürzester Zeit explodiert, und aus dieser Community sind darüber hinaus viele „Kauf-Kunden“ hervorgegangen.

 

Kosmetische Faktoren

Die ursprüngliche Strategie hinter der Veröffentlichung der Community Edition ist voll aufgegangen. Dennoch gab es von Anfang an ein paar kosmetische Faktoren, die im Laufe der Zeit noch behoben werden sollten. Der erste war die Tatsache, dass die Community Edition seit 2010 zwar quelloffen war, jedoch noch nicht unter einer offiziellen Open Source Lizenz stand. Stefan Hamann: „Das haben wir Anfang 2012 geändert und die Community Edition unter eine AGPL v3 gestellt.“ Die AGPL (Affero General Public License) ist eine von der GPL abgeleitete Lizenz, der am weitesten verbreiteten Open Source Lizenz. Der Vorteil, den diese Lizenzform bietet, ist das starke „Copyleft“. Dies ist eine Klausel in urheberrechtlichen Nutzungslizenzen, nach der Bearbeitungen des Werks nur dann erlaubt sind, wenn alle Änderungen ausschließlich unter den identischen oder im Wesentlichen gleichen Lizenzbedingungen weitergegeben werden. Damit war sichergestellt, dass Shopware jederzeit die Änderungen an der Software unter Kontrolle behält, aber die Community gleichzeitig den Freiraum bekommt, Shopware nach eigenen Wünschen und Vorstellungen weiterzuentwickeln.

Der zweite Faktor, der innerhalb der Community regelmäßig diskutiert wurde, war die Verschlüsselung des Shopsystems und der Shopware-Plugins mittels ionCube. ionCube ist ein PHP Encoder der den menschenlesbaren Quellcode von PHP-Dateien in einen nicht mehr lesbaren Bytecode übersetzt. So kann der Quelltext nicht mehr ohne Weiteres von anderen Entwicklern gelesen, bearbeitet oder manipuliert werden. Damit der Server diese PHP Dateien weiterhin verarbeiten kann, wurde bis dato der sogennante ionCube Loader, eine Entschlüsselungssoftware bei allen Shopware-Versionen auf dem System benötigt.

Dies betraf seit Shopware 4 jedoch lediglich die Premium Plugins. Die Community Edition kam seitdem ganz ohne die ionCube Software aus. Lediglich wenn kommerzielle Plugins oder eine kommerzielle Version von Shopware verwendet wurden, musste der ionCube Loader auf dem System installiert sein. Warum Shopware nun gänzlich auf ionCube verzichtet, erklärt Marcel Schmäing, Product Manager Core Entwicklung bei der shopware AG: „Wir wollen sicherstellen, dass Shopware unter den bestmöglichen Bedingungen lauffähig ist. Hierzu gehört die Unterstützung der neuesten PHP Version 7, was nun möglich ist. In der Vergangenheit gab es hier des Öfteren Kompatibilitätsprobleme. Ein weiterer Grund kam aus der Community: Entwickler bemängelten oft, dass ein System mit kommerziellen Plugins ohne Einsicht auf den Quelltext schwer zu warten oder zu erweitern sei. Das haben wir nun geändert.“

 

Ein Blick in die Zukunft

Fortan wird es bei Shopware keine weitere Verschlüsslungsmethodik geben. Shopware wird sukzessive alle Plugins Schritt für Schritt quelloffen veröffentlichen. Pluginhersteller können selbstverständlich aber weiterhin ihre Plugins verschlüsselt ausliefern und im Community Store verkaufen. Shopware selbst wird trotz des Verzichts auf die Verschlüsselung weiterhin kommerzielle Plugins vertreiben und über andere Wege sicherstellen, dass nur solche Kunden Plugins verwenden können, die sie auch gekauft haben.

 

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