ich-helfe.in

Die Flüchtlingskrise stellt für viele Hilfsorganisationen eine große Herausforderung dar. Hunderttausende sind in den vergangenen Monaten mit so gut wie nichts in Deutschland angekommen und nun auf Hilfsgüter angewiesen. Glücklicherweise gibt es viele Menschen unter uns, die in der jetzigen Zeit bereit sind zu spenden und den Neuankömmlingen unter die Arme zu greifen. Klingt diese Hilfsbereitschaft in der Theorie sehr gut, stellt sie die Helfer in der Praxis doch vor ein großes Problem. Denn die angebotenen Hilfsgüter entsprechen häufig nicht den nachgefragten Spenden, sodass es sehr viel Aufwand bedarf, die Sach- und Zeitspenden zu koordinieren. 

 

Idee kam beim Abendessen

Bei einem Abendessen unter Freunden vor einigen Monaten hatte Arne Westphal, Geschäftsführer der IntelliNet Beratung & Technologie GmbH, diese Schwierigkeit thematisiert. Vorausgegangen war die Anforderung der Flüchtlingshilfe in Westphals Heimatstadt Pulheim bei Köln nach einer sinnvollen Koordinierung des Zusammenkommens von Hilfsbedarf und Hilfsangebot. Schnell kam ihm die Idee, eine Art „Shop“ bereitzustellen, der als Dreh- und Angelpunkt fungiert. Daraufhin stellte ein ehemaliger Kollege den Kontakt zu Stefan Hamann, Vorstand der shopware AG her, um gemeinsam das Projekt „Ich helfe in“ auf den Weg zu bringen. Vereinfacht ausgedrückt, sollten sich an eine Plattform möglichst viele Hilfsorganisationen andocken und ihren Bedarf dort angeben können. Besucher würden dann über eine Suchfunktion sehen, welche Hilfsorganisation in ihrer Nähe welchen Bedarf an Sach- und Zeitspenden hat.  

Die derzeitige Standard-Shoplösung der shopware AG, Shopware 5, stellte funktional eine gute Basis für das Projekt Westphals dar, das verschiedene Eigenschaften erfüllen sollte. So sollte die Plattform dezentral, bedarfsorientiert, kostenlos und einfach zu bedienen sein. Anforderungen, die sich laut Arne Westphal von selbst erklären. „Menschen wollen in erster Linie zuhause helfen und sich auf den Internetseiten ihrer Stadt oder ihres Kreises informieren. Darum kann jede Organisation oder Kommune das System wie ein eigenes Online-Angebot nutzen, ohne auf eine zentrale Internetseite zu verweisen.“ Außerdem sollte die Seite Anreize nur für solche Spenden setzen, für die jeweils Bedarf existiert. Jede Organisation oder Kommune sollte innerhalb weniger Sekunden ihren Bedarf anpassen können. Eingehende Spendenangebote sollten sofort sichtbar sein und über die Plattform abgewickelt werden.

 

Wert auf einfache Bedienbarkeit

Die Anforderungen von Arne Westphal im Hinterkopf, machte sich Shopware an die technische und gestalterische Umsetzung.

„Wir haben bei der Organisationsverwaltung im Frontend sehr viel Wert auf einfache Bedienbarkeit gelegt. Die User sollten eine leicht erreichbare Verwaltung bekommen und sich nicht vorher großartig mit dem Shopware Backend auseinandersetzen müssen“, sagt Shopware-Entwickler Philipp Schuch. Ein weiteres Ziel war es, das Anlegen von Hilfsgütern möglichst intuitiv zu halten und dazu unkompliziert auf fertige Hilfsgüter, kombiniert mit eigenen Informationen, starten zu können. „Die größte Herausforderung aber lag in der ,Umsteuerung‘ des Shopsystems. Wir haben sozusagen den Rückwärtsgang eingelegt und von ‚Kaufen‘ auf ‚Spenden‘ umgeschaltet. Dazu wurde der klassische Checkout-Prozess durch einen vereinfachten Spenden-Prozess ausgetauscht. Klassische Produkt-Kategorien haben wir zu Organisations-Seiten nach Region und Ort kategorisiert“, so Schuch weiter.

Parallel zum technischen Prozess hat Shopware sich das Design vorgenommen: „Wichtig war es uns, dass die Seite klar, übersichtlich und einfach zu bedienen ist und dass es von der Gestaltung her zwar nicht aufdringlich und eher zurückhaltend ist, aber trotzdem ein positives, fröhliches bzw. hoffnungsvolles Gefühl vermittelt. Schließlich soll das Spenden ja bei aller Dringlichkeit etwas Positives sein“, hebt Aaron Schaarschmidt, Manager Product Design bei Shopware, hervor. Die Plattform passt sich in Design und Nutzung responsiv dem jeweiligen Endgerät an. Spenden können somit auch auf Tablets oder Smartphones zugesagt und organisiert werden.

Für die Erstellung der Nutzungs- und Datenschutzbedingungen konnte Arne Westphal den Anwalt Dr. Patrick Nordhues von der Kölner Kanzlei Seitz gewinnen. Alle Beteiligten Personen und Firmen, die das Projekt unterstützen, tun dies ehrenamtlich und ohne wirtschaftliches Interesse. Dass die Plattform kostenlos zu nutzen ist, war von vornherein selbstverständlich.

Bereits zum Start der Plattform hat ich-helfe.in für einiges Aufsehen gesorgt. So haben RTL und n-tv zum Start einen Bericht über das Projekt gesendet, und auch der WDR plant derzeit einen Beitrag. „Wir freuen uns, mit dem Projekt einen Beitrag zu leisten, Ordnung ins Spenden-Chaos zu bringen. Im nächsten Schritt werden wir das Projekt bei möglichst vielen Hilfsorganisationen bekannt machen, sodass unsere Hilfe auch flächendeckend ankommt“, sagt Arne Westphal.